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Grüne zu Gesundheit und Pflege

Aus dem Programm „Von hier an Zukunft. Das grüne Wahlprogramm zur Landtagswahl 2022 (Alle Stimmen für den Wandel)“

Landtagswahl Nordrhein-Westfalen 2022, 15. Mai 2022Original-PDF, 122 SeitenAnalyse vom 3. Oktober 2026

KIZusammenfassungen und Einordnungen auf dieser Seite hat eine KI erstellt. Ein Mensch prüft sie nicht einzeln. Wie sie entstehen

Einordnung beim Thema Gesundheit und Pflege

Durchschnitt der Punkte auf dieser Seite. Die Einordnung erstellt eine KI.

Jede Achse misst ein Thema. Ein „links“ oder „rechts“ für alles gibt es hier nicht: Wirtschaft, Gesellschaft, Migration und Sicherheit stehen getrennt. Eingeordnet ist nur, was im Programm steht. So lesen Sie die Einordnung

  • Wirtschafteher mehr Staat (-1,2), aus 4 Punkten

    Punkte je Stufe: 1 deutlich mehr Staat, 3 eher mehr Staat, 0 ausgewogen, 0 eher mehr Markt, 0 deutlich mehr Markt

  • Bürgerrechte und Sicherheiteher Bürgerrechte zuerst (-1), aus 2 Punkten

    Punkte je Stufe: 0 deutlich Bürgerrechte zuerst, 2 eher Bürgerrechte zuerst, 0 ausgewogen, 0 eher Sicherheit und Ordnung zuerst, 0 deutlich Sicherheit und Ordnung zuerst

  • Gesellschafteher progressiv (-1), aus 4 Punkten

    Punkte je Stufe: 0 deutlich progressiv, 4 eher progressiv, 0 ausgewogen, 0 eher konservativ, 0 deutlich konservativ

  • Migrationeher offen (-1), aus 1 Punkt

    Punkte je Stufe: 0 deutlich offen, 1 eher offen, 0 ausgewogen, 0 eher restriktiv, 0 deutlich restriktiv

Die kleinen Säulen unter den Balken zeigen, wie viele Punkte auf jeder der fünf Stufen liegen.

Gesundheitsregionen aufbauen, Klinikprivatisierungen stoppen

Die Grünen wollen die medizinische Versorgung vor allem auf dem Land über „Gesundheitsregionen“ sichern, in denen ambulante und stationäre Angebote zusammen geplant werden. Weitere Privatisierungen von Krankenhäusern lehnen sie ab; wo es geht, sollen Kliniken wieder in öffentliche Trägerschaft kommen.

Auf dem Land fehlen oft Ärzte und Krankenhäuser. Die Grünen wollen Gesundheits-Regionen einrichten. Dort planen Praxen und Krankenhäuser zusammen. Krankenhäuser sollen nicht mehr an private Firmen verkauft werden. Im Notfall soll jeder schnell ein Krankenhaus erreichen.

Kommunen sollen gemeinwohlorientierte Gesundheits- und Pflegezentren gründen können, in denen mehrere Berufe zusammenarbeiten; das Land will sie als Modellprojekte fördern. Bei Notfällen und Geburten soll ein Krankenhaus sehr schnell erreichbar sein, während bei planbaren, komplexen Eingriffen die Qualität wichtiger sei als die Fahrzeit. Die Krankenhausplanung soll Kliniken enger mit Praxen, Therapie-, Pflege- und Reha-Angeboten verzahnen, unterstützt durch Digitalisierung. Beim Bau und Umbau von Kliniken und Pflegeheimen sollen Hitze- und Klimaschutz beachtet werden.

Originalzitat anzeigen (Seite 79)
„Gerade in ländlichen, unterversorgten Regionen sichern wir die medizinische Versorgung durch „Gesundheitsregionen“ mit enger Anbindung an die Kommunen.“
Seite 79 im Original

Einordnung

  • Wirtschafteher mehr Staat

    Die Ablehnung weiterer Privatisierungen und die Rückführung von Kliniken in öffentliche Hand stärken die Rolle des Staates in der Versorgung.

Öffentlichen Gesundheitsdienst und Prävention stärken

Die Grünen wollen die Gesundheitsämter mit mehr Geld, einem eigenen Tarif für medizinisches Personal und besserer digitaler Ausstattung stärken. Außerdem sollen Vorsorge und die Vorbereitung auf Pandemien verbessert werden.

Gesundheits-Ämter haben zu wenig Geld und Personal. So sehen es die Grünen. Sie wollen den Ämtern mehr Geld geben. Ärzte dort sollen einen eigenen Tarif bekommen. Das Land soll sich besser auf Pandemien vorbereiten. Auch Vorsorge soll wichtiger werden.

Der Pandemierahmenplan soll überarbeitet werden und feste Krisenstäbe, wissenschaftliche Beratung, Pandemieräte und vorbeugende Maßnahmen vorsehen. Das Landeszentrum für Gesundheit soll mehr Verantwortung erhalten. Einheitliche Standards und Schnittstellen zur elektronischen Patientenakte sind geplant, ebenso Nachwuchsprogramme mit Hochschulen und Ärztekammern. Zur Prävention gehören nach dem Programm Sport, Ernährung, Gesundheitswissen, breiter Impfschutz, Aufklärung etwa über sexuell übertragbare Krankheiten und eine Kampagne zur psychischen Gesundheit.

Originalzitat anzeigen (Seite 80)
„Wir heben die finanziellen Mittel für den ÖGD an und etablieren einen eigenständigen Tarif für das medizinische Personal.“
Seite 80 im Original

Einordnung

  • Wirtschafteher mehr Staat

    Mehr Mittel und ein eigener Tarif für den Öffentlichen Gesundheitsdienst bauen öffentliche Leistungen aus.

Hilfe bei psychischen Erkrankungen ausbauen

Die Grünen wollen die Empfehlungen des Landespsychiatrieplans umsetzen. Dazu zählen mehr ambulante Krisenhilfe, kürzere Wartezeiten auf Therapieplätze und weniger Zwangseinweisungen.

Menschen mit seelischen Krankheiten brauchen schnell Hilfe. Die Grünen wollen mehr Hilfe in Krisen anbieten. Man soll nicht mehr so lange auf eine Therapie warten. Weniger Menschen sollen gegen ihren Willen in eine Klinik kommen.

Kürzere Wartezeiten sollen unter anderem durch zusätzliche, am Bedarf ausgerichtete Kassenzulassungen für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten erreicht werden. Videosprechstunden und andere digitale Angebote sollen ergänzen. Betroffene, Angehörige und Fachkräfte sollen gleichberechtigt einbezogen werden, und die Partei will der Stigmatisierung psychischer Krankheiten entgegenwirken. Die Ausbildung in der Psychotherapie soll gestärkt werden; eine „Rasterpsychotherapie“ lehnt das Programm ab. Eine Informationsplattform mit Kommunen und Kassenärztlichen Vereinigungen soll den Überblick über Angebote erleichtern.

Originalzitat anzeigen (Seite 81)
„Wartezeiten zur ambulanten Behandlung – unter anderem durch mehr psychotherapeutische Kassenzulassungen, die sich am tatsächlichen Bedarf orientieren – zu verkürzen“
Seite 81 im Original

Einordnung

  • Bürgerrechte und Sicherheiteher Bürgerrechte zuerst

    Weniger Zwangseinweisungen in die Psychiatrie verschieben den Stand hin zu mehr Selbstbestimmung des Einzelnen gegenüber staatlichem Zwang.

Anonymen Krankenschein einführen, Barrieren abbauen

Die Grünen wollen Menschen ohne Krankenversicherung, etwa Geflüchteten, Obdachlosen und Menschen ohne Papiere, mit einem anonymen Krankenschein den Zugang zu medizinischer Versorgung sichern. Für Menschen mit Behinderung soll ein Inklusionsplan Hürden im Gesundheitswesen verringern.

Manche Menschen haben keine Kranken-Versicherung. Zum Beispiel Menschen ohne Papiere oder Obdachlose. Die Grünen wollen einen anonymen Kranken-Schein einführen. Damit kann man zum Arzt gehen, ohne seinen Namen zu nennen. Auch Menschen mit Behinderung sollen besser versorgt werden.

Das Programm begründet dies damit, dass angemessene Versorgung im Krankheitsfall ein Menschenrecht sei. Clearingstellen, die den Versicherungsstatus klären, sollen überall im Land entstehen und dauerhaft finanziert werden. Ein ressortübergreifender Inklusionsplan soll mit Fachleuten und Betroffenen erarbeitet werden; bei der Bedarfsplanung soll Barrierefreiheit verbindlich vorgegeben werden. Diskriminierung im Gesundheitssystem soll systematisch untersucht werden. Der sensible Umgang damit soll Bestandteil der Ausbildung und Fortbildung in Gesundheitsberufen werden.

Originalzitat anzeigen (Seite 81)
„Deshalb wollen wir die Kommunen dabei unterstützen, die Gesundheitsversorgung dieser Gruppen zu sichern und den „anonymen Krankenschein“ einführen.“
Seite 81 im Original

Einordnung

  • Wirtschafteher mehr Staat

    Öffentlich finanzierte Versorgung für Nichtversicherte und der Ausbau der Clearingstellen erweitern staatliche Leistungen.

  • Gesellschafteher progressiv

    Inklusionsplan und Maßnahmen gegen Diskriminierung im Gesundheitswesen zielen auf mehr Gleichstellung.

  • Migrationeher offen

    Der anonyme Krankenschein gibt Menschen ohne Papiere und Geflüchteten mehr Zugang zu Versorgung und damit mehr Rechte.

Geburtshilfe und Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen verbessern

Die Grünen wollen die Gesundheitsversorgung geschlechtergerecht ausrichten, die Geburtshilfe stärken und Schwangerschaftsabbrüche wohnortnah ermöglichen. Aus Sicht des Programms orientiert sich die Medizin bisher zu stark am männlichen Körper.

Die Medizin schaut oft vor allem auf Männer. So sehen es die Grünen. Sie wollen, dass Studien Frauen und Männer getrennt betrachten. Hebammen sollen mehr Unterstützung bekommen. Frauen sollen eine Schwangerschaft in der Nähe ihres Wohnorts abbrechen können.

Bei Förderungen des Landes im Gesundheitsbereich sollen Daten nach Geschlecht erhoben und ausgewertet werden. Gefördert werden sollen Hebammenkreißsäle und freiberufliche Hebammen in unterversorgten ländlichen Gebieten; die Arbeitsbedingungen in der Geburtshilfe sollen besser werden. Freiwillige Beratung zu Schwangerschaft und Abbruch soll ausgebaut und das Thema Abbruch in der ärztlichen Ausbildung und Fortbildung verankert werden. Zudem setzt sich die Partei für interdisziplinäre Zentren für sexuelle Gesundheit ein, die auf vorhandenen Strukturen aufbauen und verlässlich gefördert werden.

Originalzitat anzeigen (Seite 82)
„Entscheidet eine Frau sich für einen Abbruch, muss sie die Möglichkeit bekommen, diesen wohnortnah durchführen zu lassen.“
Seite 82 im Original

Einordnung

  • Gesellschafteher progressiv

    Besserer Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen und geschlechtergerechte Medizin stärken Selbstbestimmung und Gleichstellung innerhalb des geltenden Rechts.

Pflege im Quartier ausbauen, Eigenanteile deckeln

Die Grünen setzen in der Pflege auf Wohn- und Hausgemeinschaften und ambulante Angebote im Quartier statt auf weitere Großheime. Vom Bund erwarten sie eine „doppelte Pflegegarantie“ mit gedeckeltem Eigenanteil; zudem sollen Personal und Ausbildung gestärkt werden.

Viele alte Menschen wollen nicht in ein großes Heim. Die Grünen wollen mehr Pflege im eigenen Wohn-Viertel. Pflege soll bezahlbar bleiben. Dafür soll es eine Ober-Grenze für die eigenen Kosten geben. Den Rest zahlt die Pflege-Versicherung. Es soll mehr Pflege-Kräfte geben.

Ambulante Pflege sowie Tages-, Nacht- und Kurzzeitpflege sollen ausgebaut werden, auch um pflegende Angehörige zu entlasten. Städte und Kreise sollen eine verbindliche Pflegebedarfsplanung nutzen, bei der gemeinnützige und kommunale Träger Vorrang vor großen Investoren haben. Bei der doppelten Pflegegarantie trägt die Pflegeversicherung alle Kosten oberhalb des gedeckelten Eigenanteils; das Land will sich in die bis 2023 anstehende Reform einbringen. Verbindliche Instrumente zur Personalbemessung sollen vollständig umgesetzt, Ausbildungsplätze aufgestockt und mehr Lehrkräfte eingesetzt werden. Den Aufbau der Pflegekammer will die Partei im Dialog mit Gewerkschaften und Verbänden begleiten.

Originalzitat anzeigen (Seite 82)
„Der Eigenanteil der Pflegekosten – ambulant wie stationär – wird gedeckelt und dadurch planbar und bezahlbar.“
Seite 82 im Original

Einordnung

  • Wirtschaftdeutlich mehr Staat

    Ein gedeckelter Eigenanteil mit voller Übernahme der übrigen Kosten durch die Pflegeversicherung würde das heutige Teilleistungssystem umkehren; zudem erhalten gemeinnützige und kommunale Träger Vorrang vor Investoren.

  • Gesellschafteher progressiv

    Die Pflege soll kultursensibel und auf die Belange von LSBTIQ*-Menschen ausgerichtet werden.

Kontrollierte Cannabis-Abgabe und Suchthilfe unterstützen

Die Grünen halten das Cannabisverbot für ungeeignet und wollen die kontrollierte Abgabe an Erwachsene in NRW zügig umsetzen, sobald der Bund sie erlaubt. Suchtberatung, Drogencafés und Konsumräume sollen weiter gefördert werden.

Die Grünen finden das Verbot von Cannabis falsch. Erwachsene sollen Cannabis in kontrollierten Geschäften kaufen können. Dafür muss erst der Bund das Gesetz ändern. Beratungs-Stellen für Sucht sollen weiter Geld bekommen. Kinder und Jugendliche sollen besonders geschützt werden.

Das Programm argumentiert, dass Minderjährige Cannabis derzeit leicht auf dem Schwarzmarkt bekommen und erwachsene Gelegenheitskonsumenten kriminalisiert würden. Die Drogenpolitik soll auf Selbstbestimmung, Aufklärung über Risiken und Schadensminderung setzen. Neben Spielsucht nimmt die Partei neuere Formen wie Online-Sucht in den Blick; Jugendhilfe, Suchthilfe und Gesundheitssystem sollen dabei zusammenarbeiten und Übergänge zwischen Therapien verbessert werden. Kommunen sollen Hilfe erhalten, damit die Standorte von Beratungsstellen und Konsumräumen erhalten bleiben.

Originalzitat anzeigen (Seite 83)
„Sobald bundesgesetzliche Änderungen dies zulassen, werden wir in NRW die kontrollierte Abgabe an volljährige Konsument*innen zügig und aktiv begleiten.“
Seite 83 im Original

Einordnung

  • Bürgerrechte und Sicherheiteher Bürgerrechte zuerst

    Die Partei will Konsumierende nicht länger strafrechtlich verfolgen und setzt auf Hilfe statt Strafe.

  • Gesellschafteher progressiv

    Die Abkehr vom Cannabisverbot zugunsten von Selbstbestimmung Erwachsener ist eine gesellschaftspolitische Liberalisierung, die das Land aber nur begleiten kann.

Was sagen die anderen Parteien zu Gesundheit und Pflege?

Alle Programme in Nordrhein-Westfalen im Vergleich